Rezensionen

CD-Rezension "me deixa em paz! los mi auglahnt" (MICA):

VILA MADALENA – „me deixa em paz! los mi auglahnt”

Eine wirklich mitreißende und musikalisch ungemein abwechslungsreiche Reise rund um den ganzen Globus, genau auf eine solche begibt sich das Weltmusik-Zweiergespann VILA MADALENA auf seinem am 17. November 2016 erscheinenden zweiten Album „me deixa em paz! los mi auglahnt” (Preiser Records).

Es sind der in Musik gegossene Spielwitz und die vollkommene stilistische Ungebundenheit in Reinkultur, die Nikola Zaric (Akkordeon) und Franz Oberthaler (Klarinette) auf ihrem neuen Album vertonen, die instrumentale Virtuosität in Kombination mit einer ordentlichen Portion Humor und unglaublicher musikalischer Raffinesse, so leichtfüßig, wie man es nur selten zu hören bekommt. Das experimentierfreudige und sich zu allen Seiten hin offen zeigende Duo spannt – wie schon auf seinem 2014er-Debüt „twentytwofingers“ – den musikalischen Bogen immens weit.

Ein Feuerwerk der Weltmusik

Cover „me deixa em paz! los mi auglahnt”

Nikola Zaric und Franz Oberthaler vermischen, was das Zeug hält, und verweben Spielformen und Klangtraditionen, wie es ihnen gefällt. Ausgehend vom brasilianischen Choro, dem sich das Duo auf dem neuen Album besonders widmet, werden unterschiedlichste musikalische Brücken geschlagen. Die beiden Musiker lassen es ebenso jazzeln wie auch swingen, sie lassen Melodien des europäischen Osten beziehungsweise des Balkans erklingen, sie tänzeln elegant den Flamenco, geben sich auch klassisch Wienerisch und, und, und. Vila Madalena brennen in ihren Nummern einmal mehr ein faszinierendes weltmusikalisches Feuerwerk ab, eines, das in jeder einzelnen Nummer in anderen Farben leuchtet.

Großen Anteil an der musikalischen Vielfalt auf „me deixa em paz! los mi auglahnt” haben auch die auftretenden Gäste, die das Geschehen durch ihr Zutun zusätzlich zu veredeln wissen. Sie bringen noch mehr Abwechslung in das Geschehen rein. So etwa die ungarische Sängerin Anna E. Laszlo, die zwei Nummern ihre ausdrucksstarke Stimme leiht und ihnen damit so richtig Leben und Energie einflößt. Auch Bertl Mayer mit seiner Mundharmonika und der Wienerliedsänger Bernhard Ehrenfellner leisten auf ihre ganz eigene Art einen Beitrag zum vielschichtigen und facettenreichen Gesamtbild.

„me deixa em paz! los mi auglahnt” ist ein Album, das richtig Spaß macht, weil es so viele musikalische Überraschungen bereithält und es so viel zu entdecken gibt. Vila Madalena zeigen, was wirklich Wunderbares entstehen kann, löst man sich einmal von allen Zwängen und lässt man der Kreativität einfach ihren Lauf. Empfehlenswert.

„me deixa em paz! los mi auglahnt“ wird am 17. November 2016 im Vindobona in Wien präsentiert.

Michael Ternai


CD Rezension twentytwofingers (MICA Austria):

VILA MADALENA - „twentytwofingers“

Im Duo VILA MADALENA vereinen sich mit Nikola Zarić und Franz Oberthaler zwei Musiker, die sich zur Aufgabe gemacht haben, den Begriff der Weltmusik um weitere Facetten zu erweitern. Mit Erfolg: „twentytwofingers“, so der Titel ihres Debüts, zeigt sich als eine mitreißende Symbiose aus instrumentalem Virtuosentum und musikalischer Finesse allerhöchster Güte.

„twentytwofingers“ - einen treffenderen Titel hätte man für diese Veröffentlichung wohl kaum finden können. Denn hört man sich durch die Stücke des Zweiergespanns Nikola Zarić (ehemals Donauwellenreiter) und Franz Oberthaler, kann man schon schnell den Eindruck gewinnen, als hätten die beiden tatsächlich einige Finger mehr. Die Geschwindigkeit und Präzision, mit der die Protagonisten in diesem Duo ihre variantenreichen Melodien rauf und runter spielen, zeugt nämlich von einem besonderen, ja fast schon virtuosen Können. Aber es sind nicht nur die außergewöhnlichen Fertigkeiten an den Instrumenten, die bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch die musikalische Offenheit, mit der sich die der Akkordeonist und der Klarinettist in ihren Kompositionen begegnen, sprengt alle Grenzen. Vielmehr als sich in ihrem Tun in irgendeiner Form von stilistischen Fragestellungen beeinflussen und leiten zu lassen, spielen sich Vila Madalena in unnachahmlich leichtfüßiger Weise durch die verschiedensten musikalischen Welten, als ob es nicht Selbstverständlicheres und Leichteres gäbe.

Mit Akkordeon und Klarinette auf Weltreise

Es ist eine überaus bunte und ungemein abwechslungsreiche Klangreise, welche das famose Zweiergespann antritt, eine, deren Route, grob gezeichnet, von den unverwechselbaren feurigen Rhythmen des Balkans, über das jazzig-verspielte Mitteleuropa und die Jiddische Musik bis hin zum eleganten südamerikanischen Tango führt. Die besonderen Fähigkeiten von Nikola Zarić und Franz Oberthaler zeigen sich vor allem dadurch, dass es ihnen gelingt, die verschiedenen Elemente ihrer Musik wie aus einem Guss erklingen zu lassen. Die insgesamt zehn in einen sehr warmen Sound gehüllten Stücke ihres Debüts befinden sich richtiggehend im Fluss, sie erzählen eine zusammenhängende Geschichte, deren einzelne Kapitel unterschiedlichste Stimmungen, von melancholisch bis lebensfroh beschwingt, in sehr lyrischer Weise ausdrücken.

Mit „twentytwofingers“ legen Nikola Zarić und Franz Oberthaler auf jeden Fall weit mehr als nur ein respektables erstes Album vor. Die beiden setzen damit ein richtig schönes und dickes weltmusikalisches Ausrufezeichen, das Neugier entfacht und Appetit auf mehr macht.

Michael Ternai

Foto Vila Madalena: Alexandra Götzinger